Kategorie: Vorhaben


Baumschilder aus Ton

In der letzten Zeit sind viele Interessenten wegen eines Beitrags zur Gestaltung von Baumschildern auf unsere Webseite aufmerksam geworden. Wir haben Gabriele Breest-Grohnwald vom Barnimer Jugendwerk deshalb gebeten, einen Artikel über die Herstellung der Schilder zu schreiben, denn Frau Breest-Grohnwald hatte die Idee für diese sehr naturnahen Tafeln und leitet auch ihre Herstellung. Hier ihr Bericht:

Der Werkstoff Ton ist für mich einer der interessantesten und vielfältigsten Werkstoffe, die es gibt. Einerseits immer wieder eine Herausforderung, andererseits gerade für Kinder etwas, was mich selbst an Kindheit erinnert: …Spielen im Matsch, Sandburgen am Strand bauen, nach dem Sommerregen mit nackten Füßen waten in moddrigen Feldpfützen, so das der Matsch zwischen den Zehen hervorquillt…

Ton ist aus Erde gemacht, kommt aus ihr und Kinder finden ihn aus dem Grunde so toll, weil er fantastisch anfassbar ist, sich sozusagen gut anfühlt, ohne zunächst Ansprüche zu erheben.  Er ist einer der naturnahesten Werkstoffe, fühlt sich ähnlich wie Knete an, ist aber lange nicht so einfach gestrickt. Er lässt scheinbar alles mit sich machen: Herumkneten, Formen, Auseinanderreißen, Zusammenfügen. Aber niemals ohne Feuchtigkeit. Schnell kann Ton austrocknen, noch während man mit ihm diese Dinge anstellt.

Ton wird spätestens dann sensibel, wenn man ihm im Prozess der Fertigung eines Produktes nicht genügend Wasser zukommen lässt oder vor dem Brennen vergisst, dass er all das Wasser zunächst wieder abgeben, sprich, trocknen muss.

Kinder können sich an diesem Werkstoff ungezwungen austoben, bis sie bemerken, dass ein wirkliches Resultat – der gehärtete Ton – nur zu erwarten ist, wenn sie den Ton in seiner wahren Vielfältigkeit und Nutzbarkeit kennen lernen, Fähig- und Fertigkeiten entwickeln und schließlich so gezielt agieren, bis das Endprodukt ihren Erwartungen entspricht.

Im Gemeinschaftshaus des Barnimer Jugendwerks haben wir eine kleine Keramikwerkstatt mit einem Brennofen. Dieser ist übrigens fast ständig im Einsatz, denn im Haus gibt es vier Töpfergruppen, drei für Kinder und eine für Erwachsene. Natürlich würden wir gerne noch mehr Kids aufnehmen, denn die Nachfrage ist groß, aber es mangelt uns an Platz, und alle Räume im Haus werden bereits mehrfach genutzt.

Obwohl wir auf dem Gebiet der Keramikfertigung langsam Profis geworden sind, ist die Herstellung von Baumschildern dennoch ein etwas aufwendiger Prozess, der uns manchmal vor Herausforderungen stellt. Gerade für Kinder, denn die Resultate ihrer Arbeit sind erst viel später zu sehen.

Zunächst werden aus rotem Ton Platten ausgerollt, ähnlich wie beim Ausrollen eines Plätzchenteiges, allerdings auf einem Leinentuch mit Holzbrett darunter – so verhindert man das Ankleben des Tones. Dabei muss darauf geachtet werden, dass sich in der Tonmasse keine Luftblasen mehr befinden, also wird er zunächst ein paar Mal auf ein Holzbrett „geschlagen“ und dann erst ausgerollt. Aber, gleichmäßig dick. Dazu nutzen wir selbst hergestellte Führungsschienen aus Holz. Der Fertigungsprozess darf nicht zu lange dauern, sonst trocknet der Ton aus, es bilden sich Risse, die sich möglicherweise im Schrühbrand vertiefen. Aber, eines nach dem anderen.

Nach dem Ausrollen werden ovale Platten ausgeschnitten. Die Ränder und Risse glättet man mit einem befeuchteten Pinsel oder den Fingern. Löcher für die Schnur zum Anbringen der Schilder werden ebenfalls ausgeschnitten.

Dann werden mit einem Holzstab die Baumnamen eingeritzt. Zunächst wird eine Papierskizze gefertigt, damit zum Schluss auch jeder Buchstabe auf die Platte passt. Das ist eine große Herausforderung für Kinder und auch Erwachsene, denn Konzentration ist gefragt. Wenn der Platz zu Ende ist, und noch zwei Buchstaben übrig sind, muss die ganze Platte nochmals bearbeitet werden.

Der Rohling wird nun vorsichtig von dem Leinentuch abgehoben und auf ein anders Holzbrett drapiert.

Das Baumschild in der „Rohfassung“ muss nun mindestens 14 Tage austrocknen oder geht bei 110 Grad in den Brennofen zum Trockenbrand.

Anschließend werden die Schilder im Ofen bei 950 Grad geschrüht. So heißt der Brand, bei dem der Ton sozusagen wirklich fest wird.

Dann werden per Hand mit Hilfe eines Schleifsteines oder Schmirgelpapieres Grate entfernt, die zum Beispiel durch die Eingravierung der Schrift entstanden sind. Das staubt sehr.

Nun kann die Schrift glasiert werden. Die Glasur ist sehr dickflüssig und ähnelt dem Farbton, der nach dem nächsten Brand entsteht, nur sehr wenig. Sie wird mit einem sehr feinen Pinsel aufgetragen. Das ist wieder schwierig und erfordert hohe Konzentration, denn viel Gefühl und Geduld ist erforderlich.

Danach geht das Baumschild noch einmal in den Brennofen für den Glasurbrand bei ca. 1080 Grad. Schließlich ist es fertig.

Baumschilder2

Es ist immer wieder ein spannendes Ereignis, wenn die Kinder die Resultate ihrer Arbeit sehen und es für gelungen befinden.

Wenn wir bei der „Endkontrolle“ feststellen, dass wir uns  verschrieben haben, was die Baumnamen betrifft, und was auch schon passiert ist….ja, dann ist die Bestürzung groß. Leider endet dieses verunglückte Baumschild im besten Falle als Topfuntersetzer. Nun, letzteren benötigt jeder Haushalt.

Die meisten Baumschilder gelangen in die Öffentlichkeit und schmücken, mit einer Schnur aus Kokosgarn gehalten, die wundervollen Bäume im Robert-Koch-Park.

Baumschild

Wie lange sie halten, wissen wir noch nicht. Auf jeden Fall ist es eine nachhaltige Geschichte, denn die Kinder können jedem, der es wissen will, erzählen: Dieses Baumschild habe ich gemacht!

Gabriele Breest-Grohnwald

Wenn Sie, lieber Interessent, noch Fragen haben, dann setzen Sie sich bitte über die Adresse bjw2000@t-online.de mit Frau Breest-Grohnwald in Verbindung.

Ein Platz für Kräuter

Wenn Herbst und Winter vorbei sind, dann wird im Park wieder munteres Treiben herrschen. Die Vögel werden anfangen zu zwitschern, die Frösche zu quaken und die Mücken heranzuwachsen. Auch der Mensch kann dann wieder ohne tropfende Nase und eisige Füße etwas bewirken. Einiges ist getan, aber es liegen noch Pläne für Neues in der Vereinsschublade, die umgesetzt werden wollen. So haben wir im Park zwar rund 50 verschiedene Baumarten, ebenso viele unterschiedliche Sträuchersorten und einige wenige Unkräuter zwischen den Blumen, aber wir haben noch keine nützlichen Kräuter – Gewürz- und Küchenkräuter, Duftkräuter, Heilkräuter – oder finden sie nur nicht im Pflanzengewirr.

Jetzt sollen sie her, aber jedes Kraut hat nun mal seine besonderen Anforderungen an den Standort und das Klima. Salbei und Thymian mögen es trocken, Petersilie und Kümmel dagegen gemäßigt. Manch ein Vertreter giert nach Sonne, ein anderer nach einem Sonnenschirm. Wer den nicht dauernd halten möchte, muss sich beim Pflanzen etwas einfallen lassen. Zum Glück gab es bereits vor unserer Vereinsgründung kluge Menschen, die sich mit dem Problem beschäftigt haben, auf kleinem Raum Gewächse aus allerlei Klimazonen unterzubringen, so dass wir nun nicht Stirn runzelnd und Zähne knirschend nach einer Lösung suchen müssen. Wir wollen einen seit Äonen vorhandenen Gedanken aufgreifen und eine Kräuterspirale bauen.

Gut. Jetzt brauchen wir also nur noch die Bauzeichnung (die ist im Augenblick noch in den Köpfen unserer Parkgestaltungsarbeitsgemeinschaftsmitglieder), Komposterde (ruht vor sich hin), Sand (liegt bequem daneben), Steine (haben uns Gemeinde und Anwohner gespendet), Wasser (etwas weniger als dieses Jahr heruntergerieselt ist) und Leute. Und hier liegt der Hund begraben. Klar, alle Vereinsmitglieder und Parkfreunde würden sich beleidigt fühlen, wenn sie nicht mitwirken dürften, aber die meisten haben einen Job und so wenig Freizeit. Auch ist es mit dem Bauen allein nicht getan. Das ganze Jahr über muss dann Kraut von Unkraut getrennt werden, gegebenenfalls muss immer wieder mal gegossen werden und nicht zuletzt sollte man auch etwas ernten. Wir suchen also Kräuterweibchen und Kräutermännchen, die Interesse haben und willens sind, bei unserem Vorhaben mitzutun. Vielleicht können ja auch Gartenzwerge – interessierte Schüler – das Projekt in ihre Händchen nehmen (Lehrer, hergehört!).

Wenn sich im nächsten Jahr die Spirale winden wird, der Wind den Kräuterduft über Zepernick ausbreitet und sich die Schmetterlinge über dem Ysop versammeln, dann wird der Robert-Koch-Park um eine Attraktion reicher sein.

Der kleine Park mit den großen Bäumen beherbergt eine Vielzahl verschiedener Baumarten. Aber wer kennt sie schon alle? Birke, Linde, Buche werden sicher leicht erkannt. Wer aber weiß schon, dass auch Schwarzpappeln und Schwarzerlen, Sumpfzypresse, Trompetenbaum, Bergahorn im Park zu finden sind? Und ganz schwer wird das Erkennen, wenn es sich um Kuchenbaum, Eisenholz, Maulbeere oder Judasbaum handelt – zumal es sich bei mehreren Bäumen um Neupflanzungen handelt, die noch im Kinder- oder Jugendstadium sind.

In einem zwanglosen Gespräch beim Baumfest 2009 im Robert-Koch-Park hatte Gabriele Breest-Grohnwald vom Barnimer Jugendwerk e. V. die zündende Idee: Schilder aus Naturmaterialien, gestaltet als “Halsketten” für Bäume, sind für einen Naturpark gut geeignet und erfüllen ihren Zweck. Ihr Angebot, ein Muster zu entwerfen und herzustellen, nahmen wir gern an. Damit war ein schon lange von uns vorgesehenes Vorhaben auf den Weg gebracht.

Gestartet wurde das Projekt “Baumschilder” am Sonntag, dem 25. April 2010: Gabriele Breest-Grohnwald und die “Waldmäuse” bezeichneten die ersten zwei Bäume – ein ausgewachsener erhielt eine Kette, ein Jungbaum ein Schild. Einhellige Meinung aller Anwesenden: Die Muster sind gelungen, sie sind ansehnlich, dezent und “stehen den Bäumen gut”.
baumschilder

baumschilder2Inzwischen sind bereits einige Bäume bezeichnet: Birke, Eschenahorn, Trompetenbaum, Lederhülsenbaum Gleditschie), Ginkgo… Es wird aber sicher noch einige Zeit brauchen, bis alle Baumarten ihren Namen tragen.

Vereine helfen einander. Das Gemeinschaftshaus des Barnimer Jugendwerks e. V. unterstützt den Rober-Koch-Park Panketal e. V. durch die Übernahme des Vorhabens “Baumschilder” bei der weiteren Ausgestaltung der Parkanlage. Dafür danken wir ganz besonders der Projektinitiatorin Gabriele Breest-Grohnwald, die auch die Ausführung in ihre Hände genommen hat. Für unseren Verein werden sich sicher auch Möglichkeiten ergeben, dem Gemeinschaftshaus zu helfen.

Kristine Neumann

Vorstandsmitglied